Nächstenliebe statt Fremdenhass

Zuhören, Mitfühlen, Handeln – das waren die zusammenfassenden Schlagworte einer Jugendstunde der Jugendgruppe aus den Gemeinden Hermsdorf/Oberndorf/Gera am letzten Freitag im Monat Februar.

Alle reden von Flüchtlingskrise, von den Herausforderungen, von Ängsten - nur wenige von Aufgaben und Chancen, die sich mit dem Zustrom der Flüchtlinge ergeben. Wie Christen das Gebot der Nächstenliebe umsetzen können, wollten die Jugendlichen in einer Jugendstunde herausarbeiten. Seit längerer Zeit thematisieren sie dieses in ihren monatlichen Zusammenkünften, um Wege für ein christliches Handeln gegenüber den Flüchtlingen zu finden und den Aufruf des Stammapostels „Gutes zu tun und mit den anderen zu teilen, vergesst nicht“ (Hebräer 13,16) umzusetzen.

Dank der freundschaftlichen Verbindung zur benachbarten evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Rüdersdorf/Kraftsdorf fand eine Jugendstunde in den dortigen Gemeinderäumlichkeiten statt. Es konnten drei syrische Jugendliche und ein Somali begrüßt werden, der hier Kirchenasyl gefunden hat. Sehr nüchtern und abgeklärt schilderten die jungen Muslime ihre persönlichen Erlebnisse u. a. mit der Terrororganisation „Islamischer Staat“ und der Armee des syrischen Regimes. Sie berichteten von Gewalt, die ihnen zugefügt wurde, von Angriffen mit Fassbomben, Sorge und Ungewissheit um die Situation der eigenen Familie, aber auch von der beschwerlichen Flucht nach Europa. Sie erzählten von einer Zeit des friedlichen Miteinanders, das die Menschen unterschiedlichster Religionen in Syrien für lange Zeit pflegen konnten. Die unbeschreiblichen Gräueltaten dort haben dazu geführt, dass das gegenseitige Vertrauen auf Jahre hinweg zerstört ist.

Trotz der sprachlichen Probleme – über den Umweg Englisch konnten wir uns verständigen – haben diese Erlebnisberichte die Jugendlichen sehr nachdenklich gemacht. Hilfe und Unterstützung ist verstärkt notwendig. Wie z. B.:

  • im Gebet die Betroffenen nicht vergessen,
  • radikalem Gedankengut im eigenen Umfeld entgegentreten,
  • praktische Lebenshilfe,
  • Integrationsangebote unterstützen,
  • persönliche Kontakte pflegen,
  • Vorurteile abbauen usw.

Dies konnte in der Jugendstunde als Ergebnis herausgearbeitet werden. Hilfe vor der Haustür ist wichtig und notwendig. Der Abend mit den Gesprächen und gemeinsamen Essen hat ein Umdenken erreicht und die eigene, oft beklagte Lebenssituation relativiert.

Es wird aus den neuapostolischen Gemeinden, vor allem der Gemeinde Gera berichtet, dass in den vergangenen Monaten bereits Hilfsaktionen unterstützt wurden, z. B. beim Versenden von Überlebenspaketen mit Drogerie- und Hygieneartikeln in den Nordirak oder die Beteiligung beim Sammeln von Kleidung und Hilfsgütern und dem Packen von 600 Bananenkisten, gemeinsam mit anderen christlichen Kirchgemeinden.

Man kann diesen Bericht mit dem folgenden Zitat nicht besser beenden: „Mit den Erfahrungen und den Eindrücken dieses Abends wollen wir gern im Sinn und Geist Christi unseren Teil – direkt vor der Haustür – beitragen.“

Text: P.S. / U.S. / Fotos: P.S.